Bereits am 12. Januar berichtete ich über sehr strikte Sicherheitsbestimmungen im Abitur, die jedoch tatsächliches Spicken trotzdem nicht unmöglich machten. Betrachtet man nun die Sicherheitsbestimmungen im mündlichen Abitur und vergleicht diese mit dem schriftlichen, so kann man lediglich schmunzeln. Während es im schriftlichen noch möglich und erlaubt war (zumindest nicht großartig auf Gegenteiliges geachtet wurde), das eigene Mäppchen auf den Tisch zu legen, gar Brotdose und eine Flasche Trinken auf oder nah am Tisch stehen zu haben und die eigene Jacke locker auf dem Stuhl, auf dem man saß, hing, sind die Sicherheitsbestimmungen im mündlichen Abitur um einiges strikter. Es existiert ein Aufenthaltsraum für die Schüler (wobei diese sich trotzdem noch frei in der Schule bewegen können und dürften). Exakt zwanzig Minuten vor Beginn der mündlichen Prüfung werden die Schüler von einem Lehrer in den Vorbereitungsraum begleitet, dort werden den Schülern ihre Aufgaben und Texte, fachabhängig auch mit Nachschlagewerk, ausgehändigt.
Wie bereits gewohnt, wird Papier von der Schule gestellt. Selbstverständlich mit dem Stempel der Schule als von der Schule ausgegebenes Papier markiert. Zusätzlich erhalten die Schüler für die Dauer ihres Aufenthaltes im Vorbereitungsraum Stifte, in meiner Schule vollkommen normale Bleistifte, ausgehändigt. Es befinden sich damit vier Schüler verschiedener Kurse und höchstwahrscheinlich auch verschiedener Prüfungsfächer unter Beobachtung von mindestens zwei Lehrern in Vorbereitungsraum. Exakt zu Beginn der Prüfung (oder 15 Sekunden vorher, damit man exakt zum Beginn im Prüfungsraum ist?) werden die Schüler dann zu ihrem Prüfungsraum geleitet. Jeder Schüler wird von einem Lehrer geleitet. Der Prüfungsraum, dessen Tische ähnlich einem Gericht angeordnet sind, sprich der Sitz des Schülers befindet sich an einem Tisch in der Mitte/am unteren Ende des Raumes, dem Schüler gegenüber befindet sich eine kurze Reihe von Tischen, an denen die drei Hauptverantwortlichen für die Prüfung sitzen, beinhaltet ebenfalls seitlich dieser Reihe weitere Tische für interessierte Lehrer sowie anwesende Fachlehrer.
Anwesend können also zwischen minimal vier bis fünf Personen sein, maximal jedoch auch so viele Personen, bis der Raum voll ist. Auch wenn der Schüler für das mündliche Abitur keine Gäste erlaubte, können beliebig viele interessierte Lehrer des schuleigenen Kollegiums anwesend sein. Unter Gästen sind lediglich Schulelternsprecher, Schülervertrer sowie Schulsprecher zu verstehen.
Im Vergleich zum schriftlichen Abitur ist also ein deutlicher Qualitätsanstieg in Bezug auf Sicherheit sowie Vorbeugung von Betrugsversuchen zu erkennen. Ein Schummeln im üblichen Sinne, d.h. Spicken, Abgucken und Bunkern von Spickzettel außerhalb des Prüfungsraumes, ist mit diesen Mitteln also durchaus nicht möglich.
Warum ist die Qualität zwischen mündlichem und schriftlichen Abitur so verschieden? Warum wird beim Mündlichen etwas durchgesetzt, was beim Schriftlichen so vernachlässigt wird?
Schlagworte: abitur, bildungspolitik, klausur, oberstufe, Politik, rheinlandpfalz, schüler, sicherheitswahn, spicker, spickzettel
19. März 2009 um 11:16
Mhh…ich denke deine abschließenden Fragen sind am ehesten noch mit der Zeit erklärbar. Eine mündliche Prüfung dauert keine fünf Stunden, so wie einige Abiturklausuren. Manchen fällt es ja schon schwer mal 90 Minuten nicht auf’s Klo gehen zu können.
19. März 2009 um 1:20
Weil sonst zu viele durchfallen würden und die Schule dann ein Problem mit dem Ministerium hat? :X
19. März 2009 um 6:46
Hm, ich hatte den Eindruck, dass durch dieses Drumherum der Druck auf die Schüler derart intensiviert wurde, dass einige Probleme hatten, überhaupt klar formulierte Sätze von sich geben. Andere Schüler waren während der gesamten Prüfung am Zittern, mussten kürzere Pausen einlegen in Form von einem Schluck Wasser.
Was macht eine derart intensive denn überhaupt noch sinnvoll, wenn ein Großteil der benötigten Punkte beim schriftlichen Abitur zu holen sind und nicht beim mündlichen?
19. März 2009 um 10:20
Mhh…was wäre denn dein Alternativvorschlag? Ich wüsste auf Anhieb nicht, wie so eine Alternative aussehen könnte. Die eigentliche Bearbeitung der gestellten Aufgabe, kann auf keinen Fall im Raum stattfinden, wo sich alle Prüflinge versammeln, allein schon, weil sich da keiner konzentrieren könnte. Beim mündlichen Abitur soll man eben zeigen, dass man auch kurzfristig reagieren und denken kann. Mir persönlich hat die Prüfungsaufgabe mehr Probleme gemacht, als die späteren Fragen. Aufgeregt war ich auch ziemlich.
Am meisten hat mich gestört, dass im Sammelraum eine ziemlich wirre Stimmung herrschte. Man wurde zwar von 12ern mit Brötchen und O-Saft versorgt, aber trotzdem hat man deutlich die Anspannung jedes einzelnen gespürt. Das hat mich sehr nervös gemacht.
20. März 2009 um 12:05
Unser Sammelraum war entspannt, man konnte sich im Raum mit anderen unterhalten, Kuchen essen. Es wurden Planungen und Basteleien für die Abifeier gemacht und man konnte sich mit einigen Lehrern im Raum oder außerhalb des Raumes unterhalten. Alles war also recht locker und entspannend.
Was ich etwas kritisiere, ist eben der Unterschied zwischen Schriftlichem und Mündlichen. Ich sehe die Sicherheitsbestimmungen gegen Schummeln keineswegs als schlecht an, finde es aber ein wenig eigenartig, dass diese im Mündlichen eben krass durchgesetzt werden, im Schriftlichen so sehr vernachlässigt werden (gerüchteweise werden Schüler in anderen Schulen immerhin zur Toilette eskortiert. Unangenehm, würde aber sinnvoller sein, als im Raum starke Kontrollen, außerhalb des Raumes aber garkeine).