Spicker im Abitur und der Sicherheitswahn

Heute wurden deutschlandweit (oh, Mist, Traumvision), rheinlandpfalzweit Abiturarbeiten geschrieben. Über das für und wider der 2,5 Jahre dauernden Oberstufe in Rheinland-Pfalz lässt sich sicher streiten (oh ja, das ist ein Streitthema!), doch darüber möchte ich garnicht bloggen. Was mir heute Grund zum Kopfzerbrechen bereitet hat, ist das Spicken, gerade im Abitur sowie die vorhandenen Sicherheitsbestimmungen.
Vor Beginn der schriftlichen Prüfung werden die Prüflinge auf die Bestimmungen über Täuschungshandlungen (§§ 28 und 29 Abs. 1) hingewiesen. Das Abitur selbst findet unter Aufsicht von mindestens zwei Lehrkräften statt. Über den Verlauf der schriftlichen Prüfung ist von einem der Aufsichtführenden eine Niederschrift zu fertigen und zu unterzeichnen. In diese Werden Beginn und Ende der Prüfung eingetragen, Namen der Aufsichtsführenden sowie ihre Aufsichtszeiten, die Sitzordnung der Prüflinge, die Zeiträume, in denen Prüflinge den Raum verlassen haben, der Zeitpunkt über die Abgabe der Arbeiten. Die Bearbeitungszeit für die Fächer ist auf genau vier Stunden festlegt (Ausnahmen bilden Deutsch, Kunst und Musik mit fünf Zeitstunden). Für die Arbeiten bekommen die Schüler von der Schule Papier (liniert, kariert oder ohne Bedruck) ausgehändigt, eigenes darf nicht verwendet werden. Ebenso sind alle Blätter wieder abzugeben, auch Vorschreibzettel. Das Abitur kann bis drei Jahre nach Ausfertigung des Abiturzeugnisses wegen Betrugs aberkannt werden.
Das klingt jetzt alles sehr hochtrabend und es ist als Schüler durchaus beeindruckend, wenn man extra Papier ausgeteilt bekommt und vor und hinter einem sich Lehrer befinden. Doch nebst all diesen Verordnungen (in denen an irgendeiner schönen Stelle auch festgelegt ist, wieviele Zentimeter die Tische auseinander stehen zu haben) verhindert dieses doch Betrugsversuche in keinster Weise. Im Raum wurde auf’s genaueste auf die Regeln, Ordnungen und Bestimmungen geachtet, doch konnten sich Schüler zum Aufsuchen der Toilette alleine zur Toilette begeben (und niemand kann behaupten, es gäbe keine Abiturienten, die diesen Augenblick des Unbeobachtetseins nicht ausnutzen, um kurz einen Blick auf den Lernzettel zu werfen).
Ich sehe also wiedereinmal ein riesiges Bollwerk an Regeln und Werken über einen Sachverhalt. Sehe auch das Problem, das man damit versuchte, aus der Welt zu schaffen. Und sehe wiederum die tausend Sicherheitslücken, die nicht gestopft werden können oder sollen. Doch wozu überhaupt dann bereits am Anfang diesen Aufwand?
Damit wird das Problem lediglich verschoben in einen Bereich, den die Zuständigen dann nicht mehr einsehen können.

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2 Antworten to “Spicker im Abitur und der Sicherheitswahn”

  1. Paramantus Says:

    Mit anderen Worten: Nur Mut, liebe Schüler. Habt keine Angst bei der ABI-Prüfung zu spicken…

  2. Mit welchen Suchbegriffen dieser Blog gefunden wird « time for sheeps Says:

    […] sollte man nicht tun. Solche und ähnliche Suchanfragen bekomme ich des öfteren aufgrund meines Blogeintrags zum Thema Sicherheitswahn im Abitur. Ich rate tatsächlich jedem davon ab, zu Spicken und in meinem Blog wird man sicherlich keine […]

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