Die Gefangene mit der Schokolade

Wir waren Gefangene. Hintereinander verkettet über Fußfesseln hatten wir die Erlaubnis für einen kurzen Tripp in einen Vergnügungspark, sodass wir eine Fahrt mit einer Achterbahn machen konnten. Ordentlich je zwei nebeneinander sitzend konnten wir die Fahrt jedoch irgendwie nicht wirklich genießen. Die Prozedur des Aussteigens zeigte sich ebenfalls als etwas schwierig, da wir uns wieder hintereinander stellen mussten und die Fußfesseln angelegt bekamen. Langsam trabten wir nun durch ein paar Räume, einem Fahrstuhl entgegen, der uns wieder herunter bringen sollte. Die Fußfesseln ließen wenigstens bequemes Gehen zu, sodass ich zum Vordermann gut 70 Zentimeter Platz halten konnte. Vor der Fahrstuhltür, hintereinanderstehend wartend, sprach mich ein kleines Mädchen an. Ich schätze es auf ca. 10 Jahre, sie hatte schulterlanges schwarzes Haar und asiatische Gesichtszüge. Sie fragte mich, ob sie etwas Schokolade aus meinem Adventskalender haben könnte, doch ich hatte das Stück vom neunten gerade aufgegessen, sodass ich ihre Frage verneinen musste. Enttäuscht lief sie zu ihrem nahestehenden Vater, der ordentlich gekleidet in einem schwarzen Anzug als Sicherheitsangestellter deutlich zu erkennen war. Böse blickte er mich an, sodass ich sogleich mich zu rechtfertigen versuchte und das Mädchen auf den zehnten, morgigen Tage, vertröstete. Durch das Türchen des Kalenders konnte man erkennen, dass für den zehnten ein besonders großes Stück Schokolade vorgesehen war. Den Blick des Vaters im Nacken spürend, beeilte ich mich, meinem nun langsam voranschreitenden Vordermann schnell zu folgen.

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